BFSG-Praxisstudie 2026: Wie barrierefrei sind deutsche Websites wirklich?
Wir haben 11.000 deutsche Websites mit einem echten Browser geprüft: die meistbesuchten Domains des Landes (Teil 1) und 10.000 Betriebe vor Ort (Teil 2). Teil 1, erhoben am 10. August 2026: 1.000 zufällig gezogene Domains – nicht nur die Startseite, sondern je bis zu 5 Unterseiten. Ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes blieben 2 von 678 vollständig geprüften Websites ohne einen einzigen automatisch feststellbaren Verstoß. Das sind 0,3 %.
von 100 möglichen
zu wenig Kontrast
ohne Befund
je Website (Median)
Das Ergebnis in einem Satz
Ein Jahr nach dem Stichtag des BFSG ist digitale Barrierefreiheit in Deutschland die Ausnahme, nicht die Regel. Von 678 vollständig prüfbaren Websites erreichten 53,1 % weniger als die Hälfte der erreichbaren Punkte. Der Durchschnitt liegt bei 46,6 von 100, der Median bei 47. Über alle geprüften Seiten hinweg haben wir 75.247 einzelne beanstandete Stellen gezählt.
Bemerkenswert ist weniger der Durchschnitt als die Verteilung: Es gibt kaum sehr gute Websites. Nur 9,7 % liegen über 75 Punkten, und ganze 2 Websites bestanden alle 10 automatischen Prüfungen. Im Schnitt bestand eine Website 6,1 davon.
Wie die Punkte verteilt sind
Grundlage sind die 678 Websites, bei denen alle 5 Unterseiten geladen werden konnten (warum diese Einschränkung nötig ist, steht unter Methodik).
| Punktebereich | Anteil | Websites | Balkendarstellung |
|---|---|---|---|
| 0–24 Punkte – schwer zugänglich | 16,5 % | 112 | |
| 25–49 Punkte – erhebliche Barrieren | 36,6 % | 248 | |
| 50–74 Punkte – teilweise zugänglich | 36,9 % | 250 | |
| 75–99 Punkte – weitgehend zugänglich | 9,7 % | 66 | |
| 100 Punkte – kein automatischer Fund | 0,3 % | 2 |
Die Spannweite reicht von 0 bis 100 Punkten. Das untere Viertel der Websites liegt bei 33 Punkten oder darunter, das obere Viertel bei 60 oder darüber. Eine einzelne Website kam auf 2.116 beanstandete Stellen; 68,4 % aller Websites hatten mindestens 50.
Die häufigsten Verstöße
Anteil der 678 Websites, auf denen mindestens ein Verstoß der jeweiligen Art gefunden wurde:
Korrigiert am 13.08.2026: Tastaturfokus
Bei dieser Studie stand in der Zeile „Tastaturfokus wird verdeckt“ zunächst 11,1 % (75 von 678 Websites). Beim Weiterentwickeln unseres Prüfwerkzeugs haben wir festgestellt, dass die damalige Prüfung fehlerhaft war: Sie las die CSS-Regeln einer Seite, statt zu messen, ob beim Tabben tatsächlich etwas sichtbar wird. Das ging in beide Richtungen schief — sie meldete Seiten, die in Ordnung waren, und schwieg bei Seiten, die es nicht waren. Letzteres immer dann, wenn eine Seite ihr CSS teilweise von einem fremden Server lud, was auf gut jeder vierten Website der Fall ist.
Wir haben deshalb dieselben 678 Websites auf denselben Seiten erneut geprüft. Vier davon waren nicht mehr erreichbar. Von den übrigen 674 fielen 43 durch (6,4 %): 62 frühere Meldungen waren Fehlalarme, 13 bestätigten sich, und 30 Websites kamen neu hinzu — die hatte die alte Prüfung übersehen.
Zur Absicherung haben wir die Messung auf 5.000 Domains ausgeweitet (3.818 davon messbar). Nach Schichtgröße gewichtet ergeben sich 7,0 % (95-%-Spanne 6,0 bis 8,0 %). Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Je weiter hinten eine Website im Ranking steht, desto häufiger fehlt der Fokusrahmen — 4,0 % bei Rang 1.001–10.000 gegenüber 7,2 % bei Rang 100.001–1.000.000. Die 678 Websites der Studie kamen in diesem zweiten, unabhängigen Durchlauf erneut auf 6,4 %.
Die übrigen Zahlen dieser Studie stammen aus anderen Prüfungen und sind von dieser Korrektur nicht berührt. Der Durchschnittswert verschiebt sich um 0,33 Punkte nach oben, weil die betroffenen Websites zu Unrecht Punkte verloren hatten — siehe dazu den Hinweis am Ende des nächsten Kastens.
Korrigiert am 14.08.2026: Kognitiver Test bei der Anmeldung
In der Zeile „Kognitiver Test bei der Anmeldung“ stand zunächst 4,7 % (32 von 678 Websites). Auch diese Prüfung war fehlerhaft, und zwar ebenfalls in beide Richtungen.
Zu viel: Es genügte, dass irgendwo im Quelltext das Wort „recaptcha“ vorkam. Eine Seite,
die ein Captcha nur erwähnt — etwa in einer Datenschutzerklärung oder einem Ratgeber —, wurde deshalb
als Verstoß gezählt. Zu wenig: Zwei verbreitete Anbieter erkannte sie gar nicht. Cloudflare
Turnstile wird von challenges.cloudflare.com/turnstile/ geladen, und danach hat die alte Prüfung
nie gesucht; Friendly Captcha fehlte vollständig.
Wir haben deshalb dieselben 678 Websites auf denselben Seiten erneut geprüft; 665 davon waren noch erreichbar. Es bleiben 18 Websites (2,7 %): Von den 32 früheren Meldungen bestätigten sich 15, 17 waren Fehlalarme, und 3 Websites kamen neu hinzu — die hatte die alte Prüfung übersehen. Gezählt wird jetzt nur noch eine echte Einbindung: ein Skript oder Rahmen eines Captcha-Anbieters, ein Widget im Seitenquelltext oder ein Sitekey. Code-Beispiele und Fließtext zählen nicht mehr mit.
Zum Durchschnittswert. Beide Korrekturen zusammen heben ihn um rund 0,6 Punkte an, von 46,6 auf etwa 47,2 — die betroffenen Websites hatten zu Unrecht Punkte verloren. Wir lassen die veröffentlichte Zahl trotzdem bei 46,6 stehen, weil sie zur Rohdatei gehört, die den Stand der Erhebung vom 10.08.2026 dokumentiert. Rohdaten schreiben wir nicht nachträglich um; wir weisen die Verschiebung hier aus. An der Aussage der Studie ändert sie nichts.
| Verstoß | Anteil | Websites | Balkendarstellung |
|---|---|---|---|
| Zu geringer Farbkontrast | 87 % | 590 | |
| Links und Schaltflächen ohne Namen | 85,1 % | 577 | |
| Fehlerhafte Überschriftenstruktur | 83,5 % | 566 | |
| Formularfelder ohne Beschriftung | 57,8 % | 392 | |
| Bilder ohne Textalternative | 36,9 % | 250 | |
| Mehrfache Eingabe derselben Angabe | 11,2 % | 76 | |
| Tastaturfokus wird verdeckt | 6,4 % | 43 | |
| Sprache nicht angegeben | 9,4 % | 64 | |
| Kognitiver Test bei der Anmeldung | 2,7 % | 18 | |
| Ziehen ohne Alternative | 0 % | 0 |
- Zu geringer Farbkontrast WCAG 1.4.3 (AA)
- Text hebt sich nicht genug vom Hintergrund ab – gemessen am fertig gerenderten Bild, inklusive Farbverläufen.
- Links und Schaltflächen ohne Namen WCAG 2.4.4 / 4.1.2 (A)
- Ein Element ist bedienbar, aber Screenreader lesen nur „Link“ – meist Icon-Buttons ohne Beschriftung.
- Fehlerhafte Überschriftenstruktur WCAG 1.3.1 (A)
- Ebenen werden übersprungen oder es gibt keine h1. Wer per Überschrift navigiert, verliert die Orientierung.
- Formularfelder ohne Beschriftung WCAG 1.3.1 / 3.3.2 (A)
- Das Feld hat kein verknüpftes label. Ohne Blick auf den Platzhalter ist unklar, was hineingehört.
- Bilder ohne Textalternative WCAG 1.1.1 (A)
- Ein informatives Bild hat kein alt-Attribut. Dekobilder mit alt="" zählen korrekterweise nicht als Fund.
- Mehrfache Eingabe derselben Angabe WCAG 3.3.7 (A, WCAG 2.2)
- Dieselbe Information muss im selben Vorgang erneut eingetippt werden, ohne Auswahl- oder Übernahmemöglichkeit.
- Tastaturfokus wird verdeckt WCAG 2.4.11 (AA, WCAG 2.2)
- Beim Durchtabben ist nicht erkennbar, wo der Fokus gerade steht – der Rahmen ist abgeschaltet oder wird von einem Sticky-Header verdeckt.
- Sprache nicht angegeben WCAG 3.1.1 (A)
- Ohne lang-Attribut spricht die Vorlesesoftware deutschen Text unter Umständen mit englischer Aussprache.
- Kognitiver Test bei der Anmeldung WCAG 3.3.8 (AA, WCAG 2.2)
- Ein Captcha oder Rätsel ohne Alternative als einziger Weg durch die Anmeldung.
- Ziehen ohne Alternative WCAG 2.5.7 (AA, WCAG 2.2)
- Kein einziger Fund. Auf Inhaltsseiten kommen echte Drag-Bedienungen praktisch nicht vor – das Kriterium greift eher in Web-Anwendungen.
Die drei häufigsten Probleme betreffen über 83 % der Websites und sind alle drei gut zu beheben – Kontrastwerte, Beschriftungen für Icon-Buttons und eine saubere Überschriftenhierarchie sind Fleißarbeit, keine Architekturfrage. Wie das konkret geht, steht unter Häufige Fehler beheben.
Große und kleine Websites im Vergleich
Die Stichprobe ist nach Bekanntheitsgrad geschichtet gezogen, damit auch die großen Portale vertreten sind. Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Annahme, große Anbieter hätten das Thema im Griff:
| Rangbereich | Websites | Ø Punkte | Median | mit Kontrastfehler |
|---|---|---|---|---|
| Rang 1 – 1.000 | 10 | 41,3 | 47 | 100 % |
| Rang 1.001 – 10.000 | 110 | 52,3 | 53 | 83 % |
| Rang 10.001 – 100.000 | 275 | 48,7 | 51 | 84 % |
| Rang 100.001 – 1.000.000 | 283 | 42,5 | 41 | 91 % |
Einordnung. Bei den 10 meistbesuchten Websites der Stichprobe hatte jede einzelne Kontrastprobleme, und der Durchschnitt liegt mit 41,3 Punkten unter dem Gesamtmittel. Über alle 774 ausgewerteten Domains ist der Zusammenhang zwischen Bekanntheit und Punktzahl zwar statistisch nachweisbar, aber schwach (Rangkorrelation nach Spearman ρ = −0,128). Kleinere Websites schneiden im Schnitt etwas schlechter ab – aber Reichweite schützt erkennbar nicht vor Barrieren. Diese Schicht umfasst nur 10 Websites, ihr Mittelwert schwankt daher stark.
Einordnung neben anderen Studien
Unsere Zahlen liegen bei manchen Verstoßarten deutlich höher als die anderer Erhebungen. Das liegt an der Methode, nicht daran, dass deutsche Websites plötzlich schlechter geworden wären – wir prüfen bis zu 5 Unterseiten statt nur die Startseite, und wir messen Kontraste am gerenderten Bild statt aus dem Quelltext.
| Erhebung | Umfang | Werkzeug | Kontrast | Links/Buttons | Alt-Texte |
|---|---|---|---|---|---|
| Barrierewerk BFSG-Praxisstudie 2026 | 678 deutsche Websites, je bis zu 5 Seiten | Barrierewerk (echter Browser) | 87,0 % | 85,1 % | 36,9 % |
| WebAIM Million Februar 2026 | 1.000.000 Startseiten weltweit | WAVE | 83,9 % | 46,3 % | 53,1 % |
| mindshape BFSG-Readyness-Check 2025 | 1.000 TYPO3-Startseiten, Deutschland | Google Lighthouse | 74,6 % | 68,7 % | 21,3 % |
Die Werte sind nicht eins zu eins vergleichbar, und das soll die Tabelle auch nicht suggerieren. WebAIM zählt leere Links und leere Buttons getrennt (46,3 % und 30,6 %), wir fassen beide zusammen. mindshape misst mit Google Lighthouse und kommt auf einen Durchschnittsscore von 85 von 100 – das ist eine andere Skala als unsere und sagt nichts darüber aus, ob deren Websites besser sind. Beim Alt-Text liegen wir unter den anderen beiden, weil wir korrekt leer ausgezeichnete Dekobilder nicht als Fehler werten.
Übereinstimmend ist der Befund zur Größenordnung: Eine Untersuchung von Buzzmatic und DataPulse Research über 2.446 deutsche Online-Shops kam auf rund 1 % vollständig konforme Shops. Unsere 0,3 % ohne jeden automatischen Befund liegen in derselben Größenordnung, obwohl beide Studien unabhängig voneinander und mit anderen Werkzeugen gearbeitet haben.
Teil 2: Die Betriebe vor Ort
Am 12. August 2026 haben wir zusätzlich 10.000 Betriebswebsites geprüft – Handwerk, Gastronomie, Praxen, Hotels, Läden, je 625 pro Bundesland. Zwei Befunde daraus:
- Die Branche entscheidet. Zahnarztpraxen erreichen 56,2 Punkte, Firmenbüros 48,8 – ein belegter Unterschied.
- Das Bundesland kaum. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Land liegen 4,0 Punkte, und selbst diese beiden Spannen berühren sich noch.
Zu Teil 2: Die Betriebe vor Ort
Was sich seit der Erstveröffentlichung geändert hat
Diese Studie ist am 10. August 2026 mit 1.000 geprüften Websites erschienen. Seitdem haben wir sie erweitert und zwei Zahlen korrigiert. Wir schreiben das hierhin, statt es still zu ändern – wer die alten Werte zitiert hat, soll nachvollziehen können, was passiert ist.
12. August 2026 – Teil 2 ergänzt
Neu hinzugekommen sind 10.000 geprüfte Betriebswebsites (siehe Teil 2). Damit stützt sich die Studie jetzt auf insgesamt 11.000 untersuchte Websites. Die Zahlen aus Teil 1 sind davon unberührt – es sind zwei getrennte Erhebungen mit unterschiedlicher Grundgesamtheit, die wir bewusst nicht zusammenrechnen.
12. August 2026 – Scanner erweitert
Der Normentwurf EN 301 549 V4.1.0 steht seit Juni 2026 als „Final draft" und richtet die Anforderungen an Websites erstmals an WCAG 2.2 aus. Wir haben daraufhin geprüft, was uns fehlt, und den Scanner um eine elfte automatische Prüfung ergänzt: Zielgröße (WCAG 2.5.8) – Klickflächen unter 24×24 Pixel, sofern sie nicht ausreichend Abstand haben oder mitten im Fließtext stehen. Außerdem neu in der Checkliste: Durchgängige Hilfe (3.2.6). Und 4.1.1 „Parsen" ist entfallen – WCAG 2.2 hat das Kriterium gestrichen, der Normentwurf führt es als „Void".
Die Zahlen dieser Studie bleiben davon unberührt: Sie wurde am 10. August mit dem damaligen Stand erhoben, und wir rechnen sie nicht nachträglich schön. Ein neuer Lauf würde bei denselben Websites eher mehr Funde ergeben, nicht weniger.
12. August 2026 – Gewichtung korrigiert
Uns ist ein methodischer Fehler in Teil 1 aufgefallen, und er ging zu unseren Gunsten aus. Die Stichprobe zieht die vorderen Rangbereiche vollständig: Die Ränge 1 bis 10.000 stellen nur 0,6 % aller deutschen Domains, machten aber 16,6 % der Stichprobe aus. Und bekannte Websites schneiden besser ab. Der ursprünglich genannte Durchschnitt von 46,6 Punkten war dadurch zu gut.
Nach Größe der jeweiligen Schicht gewichtet – also so, wie die deutsche Domainlandschaft tatsächlich aussieht – ergibt sich ein Durchschnitt von 43,0 Punkten statt 46,6, und 90,3 % mit Kontrastfehlern statt 87 %. Beide Werte stehen jetzt nebeneinander auf dieser Seite: der ungewichtete, weil er sich auf die konkret geprüften Websites bezieht, und der gewichtete, weil er die Lage in Deutschland besser abbildet. Die Lage ist also schlechter als zuerst berichtet, nicht besser.
In Teil 2 macht die Gewichtung fast nichts aus (52,0 gegen 52,1), weil sich die Bundesländer kaum unterscheiden.
Methodik – so wurde gemessen
- Grundgesamtheit. Die Tranco-Liste W3779 vom 9. August 2026 enthält eine Million Domains und ist gegen Manipulation gehärtet; sie wird in der Forschung eingesetzt, weil sie über 30 Tage gemittelt und damit reproduzierbar ist. Darin sind 26.659 Domains mit der Endung
.de. - Ziehung. Aus diesen 26.659 wurden 1.000 Domains gezogen, geschichtet nach Rangbereich, damit auch die vorderen Ränge belastbar besetzt sind. Der Zufallsgenerator (Mulberry32) lief mit der festen Saat
20260810– die Ziehung ist damit exakt wiederholbar. - Messung. Jede Domain wurde in einem echten Chromium-Browser geladen, dazu bis zu 4 intern verlinkte Unterseiten. Es liefen 10 automatische Prüfungen; Kontrastwerte wurden am fertig gerenderten Ergebnis gemessen, einschließlich Farbverläufen und halbtransparenter Flächen.
- Ausschluss. 226 der 1.000 Domains waren nicht messbar und fließen in keine Prozentzahl ein. Gründe: 164× seite nicht ladbar – Zeitüberschreitung, Serverfehler oder Bot-Sperre; 59× domain ließ sich nicht auflösen (kein DNS-Eintrag mehr); 3× zeigte auf eine interne/private Adresse und wurde übersprungen.
- Kernstichprobe. Von den 774 messbaren Domains wurden nur die 678 ausgewertet, bei denen alle 5 Seiten geladen werden konnten. Das ist die wichtigste methodische Entscheidung dieser Studie – die Begründung steht im nächsten Absatz.
Für Teil 2 gilt dasselbe Messverfahren, nur eine andere Grundgesamtheit: 252.382 deutsche Betriebe, die in OpenStreetMap mit eigener Website eingetragen sind. Daraus wurden je Bundesland 625 Domains gezogen (Saat 20260812), zusammen 10.000. Gleich viele je Land und nicht anteilig – sonst entfielen auf das Saarland rund 60 Betriebe und jede Prozentzahl dort wäre Zufall. Für den bundesweiten Wert wird nach Betriebszahl gewichtet.
Betriebe, deren Website in mehreren Bundesländern auftaucht, haben wir ausgeschlossen – das sind Ketten, die sich keinem Land zuordnen lassen. Eine Besonderheit mussten wir dabei ausgleichen: Berlin liegt in Brandenburg und Bremen in Niedersachsen, weshalb diese Betriebe in den Kartendaten doppelt geführt werden. Wo Ort und Postleitzahl übereinstimmten, entscheidet die Postleitzahl.
Ein eigener methodischer Befund: Wer nur die Startseite prüft, misst zu gut. In unserem Datensatz erreichten Websites, bei denen nur eine einzige Seite ladbar war, im Schnitt 89,3 Punkte – gegenüber 46,6 Punkten bei fünf geprüften Seiten. Der Grund ist banal: Startseiten sind gepflegt, Formulare und Detailseiten nicht. Da fast alle großen Erhebungen ausschließlich Startseiten prüfen, dürften deren Zahlen die Lage systematisch zu positiv darstellen.
Denselben Effekt haben wir beim Rendering gemessen: Ohne echten Browser, also nur aus dem HTML-Quelltext, fielen dieselben Websites um rund 20 Punkte besser aus, weil per JavaScript erzeugte Inhalte und tatsächlich wirksame Farbwerte unsichtbar bleiben.
Was diese Studie nicht sagt
Diese Seite soll belastbar sein, deshalb die Einschränkungen offen und vollständig:
- Der Punktwert ist keine Rechtsaussage. Er stammt aus unserem eigenen Bewertungsschema. 100 Punkte bedeuten „kein automatisch feststellbarer Verstoß“, nicht „BFSG-konform“. Ob eine Website die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, entscheidet im Streitfall die Marktüberwachung oder ein Gericht – nicht ein Scanner.
- Automatische Tests finden nur einen Teil der Barrieren. Für diese Studie haben 10 automatische Prüfungen 11 von 56 abgedeckten Erfolgskriterien geprüft. Tastaturbedienung, sinnvolle Alt-Texte, Untertitel, verständliche Sprache, PDF-Dokumente und komplexe Bedienelemente lassen sich nicht automatisiert bewerten. Die tatsächliche Lage ist daher eher schlechter als hier gemessen, nicht besser.
- Teil 2 misst Zugänglichkeit, keine Gesetzestreue. Die Betriebe aus Teil 2 fallen zum größten Teil gar nicht unter das BFSG – Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Die dortigen Zahlen sagen, wie zugänglich das lokale Netz ist, nicht wer etwas falsch macht.
- Die beiden Teile sind nicht zusammenzurechnen. Teil 1 zieht aus einer Rangliste der meistbesuchten Domains, Teil 2 aus Betrieben mit Adresse in OpenStreetMap. Zwei verschiedene Grundgesamtheiten – ein gemeinsamer Durchschnitt wäre sinnlos, deshalb bilden wir keinen.
- Nicht alle geprüften Websites fallen unter das BFSG. Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG), reine B2B-Angebote in der Regel ebenfalls. Wer im Einzelfall verpflichtet ist, sagt diese Erhebung nicht.
- Die 226 nicht messbaren Domains könnten das Bild verschieben. Websites hinter einer Bot-Sperre sind tendenziell größere, professioneller betreute Angebote. Ihr Ausschluss kann das Ergebnis in beide Richtungen verzerren.
- Wir sind nicht neutral. Barrierewerk verkauft Barrierefreiheitsprüfungen. Genau deshalb liegen die Rohdaten offen, ist die Ziehung mit fester Saat wiederholbar und stehen die Einschränkungen hier statt im Kleingedruckten. Wer die Zahlen anzweifelt, soll sie nachrechnen können.
- Wir nennen keine Namen. Weder auf dieser Seite noch in den Rohdaten steht, welche Website welchen Wert erreicht hat. Es geht um den Zustand insgesamt, nicht darum, einzelne Betreiber vorzuführen.
Rohdaten herunterladen
Beide Erhebungen stehen vollständig als CSV bereit – mit Status, Zahl der geprüften Seiten, Punktzahl, Zahl der Einzelfunde und je einer Spalte pro Prüfung. Teil 1 zusätzlich mit dem Rangbereich, Teil 2 mit Bundesland und Branche. Damit lässt sich jede Zahl auf dieser Seite nachrechnen.
Teil 1: Rohdaten als CSV Teil 2: Rohdaten als CSV
Die Daten stehen unter Creative Commons Namensnennung 4.0 (öffnet in neuem Tab). Nutzung, Weiterverarbeitung und Veröffentlichung sind frei, solange barrierewerk.de als Quelle genannt wird. Für Presseanfragen oder die Auswertungsskripte: info@pepelabs.de.
Quellen
Wie auf Aktuelles kennzeichnen wir, woher eine Angabe stammt: Primärquelle heißt Gesetzestext, Normtext, Datensatz oder die veröffentlichende Stelle selbst; Fachpresse heißt Sekundärquelle. Alle externen Quellen wurden am 10. August 2026 zuletzt aufgerufen.
- Primärquelle Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), amtlicher Volltext (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle EN 301 549 V3.2.1 – im EU-Amtsblatt zitierte Fassung (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/1339) (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle W3C: Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle Tranco: A Research-Oriented Top Sites Ranking Hardened Against Manipulation – Liste W3779 (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle WebAIM Million 2026 – The 2026 report on the accessibility of the top 1.000.000 home pages (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle mindshape: BFSG-Readyness-Check 2025 – 1.000 TYPO3-Websites (öffnet in neuem Tab)
- Fachpresse Buzzmatic/DataPulse Research: 99 Prozent der deutschen Online-Shops nicht barrierefrei (2.446 Shops) (öffnet in neuem Tab)
- Primärquelle Marktüberwachungsstelle der Länder für Barrierefreiheit (MLBF): Marktüberwachungsstrategien (öffnet in neuem Tab)
Rechenfehler gefunden? Die Rohdaten liegen offen – wenn eine Zahl auf dieser Seite nicht zum Datensatz passt, schreib uns. Wir korrigieren sie und vermerken, was geändert wurde.
Diese Seite ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Wo steht deine eigene Website?
Derselbe Scanner – inzwischen mit 15 automatischen Prüfungen, bis zu 5 Seiten – für die eigene Domain kostenlos und ohne Anmeldung.
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