Barrierefreiheit von Betriebswebsites: 10.000 Betriebe geprüft
Teil 1 dieser Studie prüft die meistbesuchten deutschen Websites. Für Teil 2 haben wir am 12. August 2026 zusätzlich 10.000 Betriebe in ganz Deutschland geprüft – Handwerk, Gastronomie, Praxen, Hotels, Läden. Je Bundesland gleich viele, damit sich die Länder vergleichen lassen. Grundlage sind 252.382 Betriebe mit eigener Website.
von 100
zu wenig Kontrast
ohne Befund
erreichbar
wo man steht nachgemessen 13.08.
Betriebe sind doppelt so oft betroffen
Wer eine Website nur mit der Tastatur bedienen kann, braucht einen sichtbaren Rahmen um das gerade angewählte Element. Fehlt er, tippt man blind. Bei 13,5 % der Betriebswebsites ist das der Fall (95-%-Spanne 12,6 bis 14,4 %) — bei den meistbesuchten Websites aus Teil 1 sind es 6,4 %.
| Gruppe | geprüft | Anteil |
|---|---|---|
| Meistbesuchte Websites (Teil 1) | 674 | 6,4 % |
| Betriebe vor Ort (Teil 2) | 5.983 | 13,5 % |
Beide Werte stammen aus derselben Prüfung, derselben Seitentiefe und wurden am 13.08.2026 gemessen — sie sind direkt vergleichbar. Das passt zu einem Muster, das wir bei einer Ausweitung auf 5.000 Domains gesehen haben: Je weiter hinten eine Website im Ranking steht, desto häufiger fehlt der Rahmen. Plausibel ist die Erklärung, dass große Betreiber ein gepflegtes Design-System haben, während kleine ein Theme übernehmen und den Rahmen abschalten, weil er im Entwurf stört.
Woher diese Zahl kommt — und was sich sonst geändert hat
Wir haben unser Prüfwerkzeug am 13.08.2026 an einer Stelle korrigiert: Die Prüfung des Tastaturfokus las bis dahin CSS-Regeln, statt zu messen, ob beim Durchtabben tatsächlich etwas sichtbar wird. Deshalb haben wir alle 5.994 Betriebswebsites dieser Studie erneut geprüft, auf denselben Seiten wie am 12. August 2026. Daraus stammt der Wert von 13,5 %.
Keine der übrigen hier veröffentlichten Zahlen ändert sich. Der Durchschnitt liegt weiterhin bei 52,0 Punkten.
Zur Offenheit gehört, wie stark die alte Prüfung danebenlag: Von ihren 858 Meldungen waren 610 Fehlalarme, 248 bestätigten sich — und 560 Websites kamen neu hinzu, die sie übersehen hatte. Dass der Gesamtanteil trotzdem fast gleich blieb, ist Zufall: Sie hat ungefähr so viele Fälle erfunden wie übersehen. Ohne die Nachmessung wäre das nie aufgefallen.
Die Branche entscheidet
Zwischen den Branchen liegen 7,4 Punkte – deutlich mehr als zwischen den Bundesländern. Gesundheitsberufe stehen geschlossen an der Spitze, Firmenbüros am Ende. Die Spanne dahinter zeigt, wie sicher der Wert ist: Wo sich zwei Spannen nicht überschneiden, ist der Unterschied echt.
| Branche | Websites | Punkte | Spanne | Kontrastfehler |
|---|---|---|---|---|
| Zahnarztpraxen | 122 | 56,2 | ± 3,6 | 89,3 % |
| Arztpraxen | 268 | 56,0 | ± 2,0 | 88,4 % |
| Apotheken | 152 | 55,0 | ± 3,1 | 77,6 % |
| Pensionen | 143 | 52,9 | ± 3,1 | 78,3 % |
| Cafés | 179 | 51,0 | ± 2,8 | 88,8 % |
| Restaurants | 713 | 50,4 | ± 1,4 | 87,5 % |
| Ferienwohnungen | 107 | 49,8 | ± 3,6 | 87,9 % |
| Hotels | 328 | 49,7 | ± 2,0 | 89,0 % |
| Kfz-Werkstätten | 111 | 49,0 | ± 3,0 | 89,2 % |
| Firmenbüros | 391 | 48,8 | ± 2,0 | 87,7 % |
Einordnung. Zahnarztpraxen (56,2 ± 3,6) und Firmenbüros (48,8 ± 2,0) überschneiden sich nicht – dieser Unterschied ist belegt. Warum Praxen besser abschneiden, sagen die Daten nicht. Naheliegend wäre, dass dort häufiger eine Agentur gebaut hat und seltener ein Baukasten zum Einsatz kam; belegen können wir das nicht.
Und die Region?
Kaum ein Unterschied. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Bundesland liegen 4,0 Punkte – und selbst diese beiden Spannen berühren sich noch. Wo jemand in Deutschland sitzt, sagt praktisch nichts darüber, wie zugänglich die eigene Website ist.
| Bundesland | Websites | Punkte | Spanne | Darstellung der Spanne |
|---|---|---|---|---|
| Hessen | 368 | 53,9 | ± 2,1 | |
| Hamburg | 383 | 53,5 | ± 2,0 | |
| Rheinland-Pfalz | 337 | 53,2 | ± 2,0 | |
| Sachsen-Anhalt | 368 | 53,0 | ± 2,0 | |
| Berlin | 355 | 52,6 | ± 2,1 | |
| Bremen | 367 | 52,5 | ± 2,0 | |
| Niedersachsen | 400 | 52,3 | ± 1,8 | |
| Baden-Württemberg | 339 | 52,1 | ± 2,1 | |
| Schleswig-Holstein | 405 | 52,0 | ± 1,8 | |
| Nordrhein-Westfalen | 370 | 51,8 | ± 1,9 | |
| Bayern | 418 | 51,4 | ± 1,9 | |
| Sachsen | 376 | 51,3 | ± 1,9 | |
| Brandenburg | 364 | 51,2 | ± 2,0 | |
| Thüringen | 391 | 51,2 | ± 1,9 | |
| Mecklenburg-Vorpommern | 403 | 50,7 | ± 1,8 | |
| Saarland | 350 | 49,9 | ± 1,9 |
Diese Betriebe fallen zum größten Teil gar nicht unter das BFSG. Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen ausgenommen (§ 3 Abs. 3 BFSG), und ein Friseur oder eine Pizzeria ist genau das. Teil 2 zeigt, wie zugänglich das lokale Netz ist – nicht, wer gegen ein Gesetz verstößt.
Grundlage sind Betriebe mit eigener Website in OpenStreetMap. Das ist keine vollständige Liste aller deutschen Betriebe, und wie gut eine Region dort erfasst ist, schwankt. 2.427 der 10.000 Websites waren nicht messbar, darunter 587 Domains, die es gar nicht mehr gibt. Branchen und Länder mit weniger als 100 auswertbaren Websites zeigen wir nicht – dort wäre jede Zahl Zufall.
Alle 16 Bundesländer und 12 Branchen im Einzelnen – je mit den Verstößen, die dort am häufigsten vorkommen.
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